Shantel – »Bucovina«

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Heute, von der Kompilations-Doppel-CD »Awards for World Music 2006, BBC Radio 3«, der Titel »Bucovina« von Shantel. Shantel ist ein Projekt des deutschen Musikers, DJs und Produzenten Stefan Hantel. Dessen Großeltern mütterlicherseits stammen aus der Bukowina, und nach einer Reise dorthin begann er, sich für osteuropäische Kulturen und Musik zu interessieren und ließ dies zunehmend auch in sein musikalisches Schaffen als DJ und Produzent einwirken.

So entstand 2002 die Kompilation »Bucovina Club«, deren Titel er zusammenstellte und z.T. remixte. Diese Veröffentlichung machte den »Balkan-Pop« weltweit bekannt, der Elemente der elektronischen Tanzmusik mit Einflüssen südosteuropäischer Musik-Traditionen (insbesondere aus Rumänien, Albanien, Griechenland und den slawischen Ländern), dem jiddischen Klezmer und der Musik der Roma und Sinti verbindet.

Das führte u.a. dazu, dass viele Titel von Hantels CD ihren Weg in Werbespots und Spielfilme fanden – »Bocovina« z.B. in Dani Levys »Alles auf Zucker!« – und er in der Folge vermehrt auch als Filmkomponist (z.B. für Fatih Akins Film »Auf der anderen Seite«) tätig wurde.

Shantel – »Bocovina (Haaksman & Haaksman Soca Bogle Mix)«

Erik Satie – »Vexations«

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Heute eines der wohl ungewöhnlichsten Werke der Musikgeschichte, das Stück »Vexations« von Erik Satie (1866-1925), einem meiner Lieblings-Komponisten.

Bei »Vexations« (Französisch, etwa: »Quälereien«) handelt sich um eines der ersten Beispiele für ein repetitives Arrangement sowie für Atonalität in der Kunstmusik. Es wird allgemein als eines der längsten Stücke der Musikgeschichte überhaupt angesehen, obwohl die Partitur nur aus einer einzigen Seite besteht.

Das Stück gehört wahrscheinlich zu Saties Werkreihe »Pages Mystique«, auch wenn dies nicht gesichert ist. Es wurde vermutlich 1893 komponiert und besteht aus einem Thema und zwei Variationen.

Zur Art und Weise der Aufführung gab Satie den eigenwilligen Rat: »Um dieses Motiv achthundertvierzigmal zu spielen, wird es gut sein, sich darauf vorzubereiten, und zwar in größter Stille, mit ernster Regungslosigkeit.«

Da kaum Hinweise auf die Entstehungsgeschichte des Werks existieren und Satie es auch nie in seinen (erhaltenen) Briefen erwähnte, ist die musikalische Einordnung bis heute umstritten, es wird bisweilen auch als musikalischer Scherz des Komponisten bezeichnet. Dennoch zählt es wegen seiner Ungewöhnlichkeit zu den bekanntesten Werken Saties.

Ich kann nur empfehlen, einmal dieses Experiment zu wagen und sich diesem Stück mit seinen ständigen Wiederholungen so lange wie möglich auszusetzen. Es wird alles hervorbringen, was in einem ist und einen an einen Ort bringen, der jenseits von Raum und Zeit ist. Also: Mach es dir bequem, schließe die Augen, entspanne dich und höre nicht zu – sondern lausche einfach.

Sehr interessant auch, wie sich das Spielen dieses Stücks für den Interpreten anfühlt und was es »mit ihm macht«. Sehr schön nachzulesen in diesem Interview von Reinhard Kopiez mit dem Pianisten Armin Fuchs, der »Vexations« schon mehrmals solo nonstop aufgeführt und dafür jeweils bis zu 28 Stunden gebraucht hat:
Armin Fuchs zum Spielen von Erik Saties »Vexations«

Erik Satie – »Vexations« (Michael van Krücker, Klavier)