Quelle

Früher lief ich allen Menschen hinterher;
Und ich rief: Kauft mein Wasser! Kauft mein Wasser!
Direkt von der Quelle – keines schmeckt besser!

Schließlich gelangte ich selbst zur Quelle;
Und ich rief: Kommt! Kommt genau an diese Stelle –
Denn nur hier ist das Klare, nur hier ist das Reine!

Jetzt bin ich Quelle;
Ich fließe und fließe –
In Frieden und Stille.

(Henning Sabo)

Giacinto Scelsi – »Hyxos«

Der Link zum Sonntag:

Der Italiener Giacinto Scelsi (1905-1988) »er-fand« – seine meist intuitiv entstandene Musik zu setzen, überließ er oft anderen – Musik, die in kein Schema passt und keiner Musikrichtung der Klassik oder Moderne zuzurechnen ist; er selbst sprach wohl öfter von einem »sphärischen Klang«.

Das Stück, das ich von ihm ausgewählt habe, »Hyxos« (für Flöte und Perkussion), würde man wahrscheinlich eher im asiatischen Raum verorten. Hier zu hören in einer Live-Aufnahme von 2013 in Basel mit Camille Guénot (Flöte) und Adam Rosenblatt (Perkussion).

Giacinto Scelsi – »Hyxos«

Aus einer Quelle

Inmitten aller Quelle
Und selbst die Quelle sein.
Doch schreien wir nach Wasser,
Als Dürstende, als Stein.

All dieses Sehnen, all das Leiden,
All dieses Wehren, all das Scheiden!
So wird das Meinen uns zum Grauen,
Lässt uns dem Einen nicht vertrauen.

Inmitten aller Quelle
Und selbst die Quelle sein.

(Henning Sabo)