Wir Menschen

Wir empfangen und empfinden,
Dafür sind wir Menschen;
Wir erkennen und ergründen,
Darum sind wir Menschen;
Wir erzeugen und erfinden,
Darin sind wir Menschen.

Doch wenn wir nicht
Auch geben und vergeben,
Belassen und erlösen,
Dann werden wir zu Mördern
An Leben und an Seelen.

(Henning Sabo)

Kommen wie Gehen

Sie kommen, wie sie kommen,
Sie gehen, wie sie gehen.
Die Augenblicke, die Situationen,
Die Probleme, die Lösungen.

Sie kommen, wie sie kommen,
Sie gehen, wie sie gehen.
Die Gefühle, die Gedanken,
Die Vernichtungen, die Schöpfungen.

Sie kommen, wie sie kommen,
Sie gehen, wie sie gehen.
Die Leben, die Menschen,
Die Entwicklungen, die Stagnationen.

Sie kommen, wie sie kommen,
Sie gehen, wie sie gehen –
Im bleibenden Gewahren.

(Henning Sabo)

Fluten

Sieh her, ich bin geheimnisleer!
So offen, dass ich grenzenlos …
Kein Gegenüber dir nun mehr,
Nur inniglich und weich und bloß.

Du tauchst in mich wie in ein Meer,
Darin sich nichts in nichts mehr teilt.
Da ist nicht Deich, nicht Damm noch Wehr,
Nur Fluten, das in sich verweilt.

(Henning Sabo)

Nur Du

Du suchst deinen Platz in der Welt?
Egal, wo Du ihn wählst –
Du wirst ihn verlieren!

Du suchst nach deinem Ich, deinem Selbst?
Ganz gleich, wen Du erfüllst –
Es bist ja nicht Du!

Worin sie erscheint, worin Du erscheinst,
Dies bloße Gewahren:
Nichts als nur Du.

(Henning Sabo)