Entwehen

Das Gras weht – frei und leicht – im Wind,
Die Wurzel wurzelt fest im Grund.

Das Gras weht – frei und leicht – im Wind,
Es folgt ihm, stürmisch, luftig, lind,
Es schwenkt nach hier, es schwankt nach dort,
Sinkt gänzlich nieder, hebt sich fort,
Neigt sich gen Osten, drängt nach Westen,
Scheint alle Richtung auszutesten.

Das Gras weht – frei und leicht – im Wind,
Die Wurzel wurzelt fest im Grund.

Das Gras weht – frei und leicht – im Wind,
Es traut sich an, bewusst und blind,
Es zeichnet nach das Ab und Auf,
Kennt Aufenthalt und auch Verlauf,
Es liegt im Schatten, wirft den seinen,
Scheint mal zu trennen, mal zu einen.

Das Gras weht – frei und leicht – im Wind,
Die Wurzel wurzelt fest im Grund.

Das Gras weht – frei und leicht – im Wind,
Es ist, wie alle Gräser sind,
An jedem Ort, zu aller Zeit,
Und ist doch einzig und befreit,
Nun allem Wehen zu entschweben
Und sich der Wurzel zu ergeben.

Das Gras weht – frei und leicht – im Wind,
Die Wurzel wurzelt fest im Grund.

(Henning Sabo)

Franz Tischhauser – »Dr. Bircher und Rossini«

Der Link zum Sonntag:

»Dr. Bircher und Rossini«, untertitelt »Tafelmusik für Cembalo und Streichorchester«, ein musikalischer Spaß des schweizer Komponitsten Franz Tischhauser (1921-2016), in dem er musikalisch den Ernährungs-Reformer Max Bircher-Benner (nach dem das Bircher-Müsli benannt ist) dem Komponisten Gioachino Rossini gegenüberstellt, bekannterweise ein praktizierender Verfechter opulenten Essens.

Franz Tischhauser – »Dr. Bircher und Rossini«, 1. Variazioni frugali (Siebenmal Birchermüesli)

Franz Tischhauser – »Dr. Bircher und Rossini«, 2. Fantasia opulenta (Bei Tisch im Hause Rossini)

Calexico – »Black Heart«

Der Link zum Sonntag:

Von gestern auf heute ist es wirklich so, als wäre dieser Frühling etwas »eingefroren«, also trifft es durchaus zu, wenn das heute hier vorgestellte Stück eben so beginnt: »Spring is frozen«. Auch sonst scheint es nicht gerade zu einer Erwärmung des Gemüts beizutragen, aber das gehört eben auch immer mal wieder dazu zum Leben. Immerhin verstehen sich Calexico ganz gut darauf, eine gleichzeitig bedrohliche und dennoch schaurig-schöne Stimmung zu verbreiten.

Calexico – »Black Heart«