Manchmal, fast jeden

Wir sehen uns fast jeden Tag.
Manchmal schweigen wir,
Manchmal sagen wir uns was;
Manchmal bemerken wir uns kaum,
Manchmal ist unsre Freude riesengroß.

Wir sehen uns fast jeden Tag.
Manchmal sind wir ganz nüchtern,
Manchmal voll Schalk und Spaß;
Manchmal erzählen wir uns unser Leben,
Manchmal da nicken wir nur kurz und regungslos.

Wir sehen uns fast jeden Tag.

(Henning Sabo)

Rauschende Feste

Heute: Eine erste Kastanie!
Auch sie ein Grund zu heller Freude.
Die Blättern kullern über den Boden
Und ich habe Lust, etwas zu feiern.
So feiere ich das „Erste-Kastanie-Fest“ –
Mit dem Sommer als Wirt und dem Herbste als Gast.

Im Rauschen der Bäume
Drehe ich still meine Kreise,
Und ich tanze den Reigen,
Mich dem Leben zu zeigen.
Die Vögel, sie schwingen, die Vögel, sie singen,
Und bringen im Herzen mir alles zum Klingen.

So wird mir das Flüchtige heute zum Fest –
Mit dem Herbste als Wirt und dem Sommer als Gast.

(Henning Sabo)

Erkannt und erfüllt

Habe dem Gras zugesehen –
Es hat sich vom Winde wiegen lassen.
Habe den Bäumen zugesehen –
Die dem Sonnenlicht nichts entgegnet haben.

Habe dem Felsen zugesehen –
Er ist wie seit alters stehengeblieben.
Habe den Wassern zugesehen –
Wie sie alles und jeden gespiegelt haben.

Habe ein einziges Eines
Und ein Jedes als Seines gesehen –
Erkannt als ein Sein und erfüllt als ein Leben.

(Henning Sabo)