Gesungen im Stillen

Herberge genommen im Stillen,
Berufen zum Schweigen,
Zuhause im Lauschen.

So erhebt sich mein Wort,
Gleich einem Licht
Zu erhellen die Zeichen.

Nichts redet dir ein,
Nichts spricht dir entgegen,
Es bleibt nichts zu sagen, du wirst nicht verstummen.

Die Wahrheit, sie tanzt
Aus Blicken und Gesten,
Von Lippen gelesen, geläutert aus Stimmen.

Wir atmen uns ein
Und aus in ein Schwingen,
So bringt sich das Sein dem Lebendigen dar.

Wie Sterne es tun,
Das All zu durchringen,
So pulst meine Seele – ein Singen – in dir.

(Henning Sabo)

Ein-zig und all-ein

Ein Augenblick
Im Sonnenschein:
Alles da und offenbar –
Nichts und niemand ist allein …

Ein Augenblick
Im Sonnenschein:
Nichts nicht ewig, nichts nicht klar –
Alles ein-zig und all-ein …

Ein Augenblick
Im Sonnenschein:
So bringt unendlich selbst sich dar
Im Nicht-Sein alles Sein.

(Henning Sabo)

Pi Phat Ensemble (Thailand) – »Nachmittags-Ouvertüre«

Der Link zum Sonntag:

Das »Pi Phat« ist eines der beliebtesten Musik-Ensembles der klassischen thailändischen Musik, also ein »Klangkörper«, der sich aus einer bestimmten Anzahl bestimmter Instrumente zusammensetzt und einen bestimmten Kanon traditioneller Musik – meist zu besonderen Zwecken und Anlässen komponiert – interpretiert. Das Pi Phat wird vorrangig zur Begleitung von höfischen und religiösen Zeremonien und Tänzen, Schattenspielen (»Nang Yai«) und Maskenschauspielen (»Khon«) eingesetzt.

Das Standardensemble (»pi phat khrueang ha«) besteht aus mindestens sechs Musikinstrumenten, einer Art Oboe (»pi nai«), einem Holzxylophon (»ranat ek«), einem Gong (»khong wong yai«), einer Zimbel (»ching«) und den beiden Fasstrommeln »taphon« und »klong that«. Bei der achtköpfigen Besetzung (»pi phat khrueang khu«) kommen ein weiteres Xylophon mit tieferem Klang (»ranat thum«) und ein zweiter, klanglich hellerer Gong (»khong wong lek«) zum Einsatz, beim zehn- bis vierzehnköpfigen »pi phat khrueang yai« zusätzlich noch weitere Xylophone (»ranat ek lek« und »ranat thum lek« mit metallenen Klangstäben.

Zu hören ist hier eine »Nachmittags-Ouvertüre« in einer Aufnahme der Gruppe »Fong Naam«, benannt nach einer alten thailändischen Melodie. »Fong Naam« bedeutet »(Luft-)Blasen« und ist ein Sinnbild für die Schönheit und deren Vergänglichkeit. Wobei es für unsere Ohren und Hörgewohnheiten sicher recht schwierig ist, die Schönheit (in) dieser Musik zu entdecken.

Pi Phat Ensemble (Thailand) – »Nachmittags-Ouvertüre«

Stern

Es blinkt ein Stern auf seinem Fluge
Und grüßt die Wesen dieser Welt;
Auch er erreicht einmal sein Ende,
Und da ist nichts, das ihn erhält.

Ein Zeichen er aus andren Zeiten,
Und doch Gefangener der Zeit;
Er wird uns stets durch sie begleiten,
Und ist doch längst aus ihr befreit.

Es strahlt der Stern in einem Zuge,
Als ob ihn nie ein Zweifel fällt;
Ihn ficht nicht Fälligkeit noch Wende,
Er scheint von Ewigkeit erhellt.

Weil wir uns drehen hier auf Erden,
Ist er uns Wanderer zum Schein,
Und doch wie wir entfreit dem Werden,
In sich ein Nichts als bloßes Sein.

(Henning Sabo)

Schattenrisse

Ich weiß am Morgen nicht,
Wer ich am Abend bin,
Und weiß am Abend nicht:
Werd’ ich am Morgen sein?

Selbst das Scheinen ist ein Schatten,
Selbst das Wissen ist nicht Wissen.
Was vor sich geht, es geht dahin,
Das Ungeborene ist Sein.

Du hörst am Morgen deinen Namen,
Doch fehlst am Abend jeden Sinn;
Du fühlst erfüllt von allen Gaben
Und wirst doch nichts als Leere sein.

(Henning Sabo)