Den Vergangenen

Den Vergangenen

Ich sah, die ganze Welten trugen,
So viele sah ich plötzlich geh’n;
Doch ich, kaum mächtig, zu ertragen,
Ich blieb es über und besteh’n.

Ich trau dem Glücke und der Gnade wohl,
Doch nicht mehr der Gerechtigkeit;
Ich tränke eine Träne euch zum Wohl,
Und widme dieses Lied dem Mörder Zeit.

Wo mag er sein, der weite Raum,
Der uns einander nicht verwehrt?
Ich wähne mich in einem fremden Traum,
Und alles scheint in sich verkehrt.

Ich spende Trost dem Leben
Und allen, die darin noch sind;
Wir würden uns so gern ergeben –
Ins Wissenlose, wie ein Kind.

Die Reihen sind so weich und offen,
Der Reim wird nur noch angezählt;
Es bleibt an uns jetzt, euer Hoffen,
Dass Dasein nicht das Sein verfehlt.

(Henning Sabo)

(Darkman) Nana – »He’s Comin’«

Der Link zum Sonntag:

Vor vielen Jahren habe ich mal eine Freundin zur Bücherei begleitet, bei der sie ein paar ausgeliehene Bücher abgeben wollte. Als ich dort wartete, entdeckte ich eine »Wühlkiste«, in der ausgemusterte Medien für einen geringen Preis zum Verkauf angeboten wurden. Natürlich bin ich dieser Einladung gefolgt und habe ausgiebig darin gewühlt …

Dabei ist mir eine Doppel-CD mit dem Namen »Best of black ’97« in die Hände gefallen, und ich habe sie – für einen Euro, wenn ich mich recht entsinne – spontan mitgenommen. Ein Glücksgriff, wie sich herausstellen sollte, denn darauf fanden sich 40 Songs, die mehrheitlich richtig gut waren – und es immer noch sind. Schöne schwarze Musik, tanzbar und zum Mitwippen und Mitsingen einladend, rhythmusbetont und rapgeprägt.

Der erste Titel auf der ersten Seite kündigt denn auch gleich an: »He’s comin’ – Darkman is back«. Er stammt von (Darkman) Nana, ein Musiker, der zu meiner Überraschung nicht in den USA verortet ist, sondern bei dem es sich um den 1968 in Ghana geborenen und in Deutschland lebenden Nana Abrokwa handelt, der in der zweiten Hälfte der Neunziger seine größten Erfolge feiern konnte.

(Darkman) Nana – »He’s Comin’« (Offizielles Video)

Berufung

Zum Menschen bin ich berufen,
Nicht zum Berufe des Menschen.
Zum Dichten bin ich berufen,
Nicht zur Zerstreuung im Lyrischen.
Zum Geiste bin ich berufen,
Nicht zum Kampfe mit Kopfgeburten.

Zum Wahren bin ich berufen,
Nicht zur Wahrung von Lügengeschichten.
Zur Mystik bin ich berufen,
Nicht zur Mystifizierung alles Banalen.
Zur Einsicht bin ich berufen,
Nicht zum Behaupten von Ansichten.

Zum Lieben bin ich berufen,
Nicht zur Verklärung von Machtansprüchen.
Zur Gabe bin ich berufen,
Nicht zur Vergebung von Vorurteilen.
Zum Demut bin ich berufen,
Nicht zur Herrschaft des Vorgestellten.

Zu Meinem bin ich berufen,
Nicht zum Austausch von Meinungen.
Zur Milde bin ich berufen,
Nicht zur Rettung des Richtigen.
Zum Menschen bin ich berufen,
Nicht zum Berufe des Menschen.

(Henning Sabo)