Johann Wilhelm Hertel – Konzert Nr. 1 Es-Dur

Der Link zum Sonntag:

Heute wende ich mich in der Klassik zu dem in Eisenach geborenen Komponisten Johann Wilhelm Hertel (1727 bis 1789), von dem hier eine Live-Audio-Aufnahme seines Konzertes Nummer 1 zu hören ist, dessen helle Trompeten-Klänge diesen trüben Sonntag-Morgen vielleicht etwas aufzuhellen vermögen.

Johann Wilhelm Hertel – Konzert Nr. 1 Es-Dur (für Trompete, Streicher und b.c.)

Fallen

Kann ja nicht fallen
Aus dem Vollkommen.

Kann ja nur fallen
Aus Vorgestelltem,
Aus dem Geglaubten,
Verwehrten, Ersehnten,
Dem Interpretierten,
Behaupteten, Verleugneten.

Kann es nicht finden
In all dem Perfekten,
Geschützten, Erhobenen,
Nicht im Getrennten,
Versüßten, Gereinigten.

Kann es nicht finden
In Zeiten noch Orten,
Nicht im Werden,
Nicht im Erreichten.

Kann es nur fassen
Im Augenblicklichen,
Im Gehenlassen.

Kann ja nicht fallen
Aus dem Vollkommen.

Kann ja nicht fallen.

(Henning Sabo)

Nur

Ist alles
Nur so, wie es ist,
In genau diesem Augenblick.

Nur das Vermeinen
Lässt es erscheinen
Als Entsprechen, als Verfehlen,
Als Gut oder Schlecht.

Nichts ist wahr,
Nichts bewahrt
In all den Bezügen,
Wir halten’s nur fest.

Ist alles
Nur so, wie es ist,
In genau diesem Augenblick.

(Henning Sabo)

In Gefahren

Ich brauche ja nicht wirklich eine Erinnerung, aber so manches Erlebnis rückt es noch tiefer ins Bewusstsein.

Letzten Samstag, auf dem Weg, meine Mutter zu besuchen, hörte ich auf einmal ein lautes Krachen. Ich sah nach vorne und gerade noch einen Kleinwagen vom Haus – es war das, in dem meine Mutter wohnt – und vom Bürgersteig zurückprallen, der Stoßfänger war abgebrochen, Teile der Fallröhren lagen auf dem Boden, eine dicke, runde Gummidichtung rollte mir auf dem Weg entgegen …

Ich hob sie auf beim Näherkommen, während die Fahrerin, die ausgestiegen war, den Stoßfänger von der Straße klaubte und in ihrem ansonsten wohl unversehrten Auto verstaute.

Sie erklärte mir, dass die Pflanze, die sie auf den Beifahrersitz gestellt hatte, plötzlich umgefallen wäre und sie so die Kontrolle über den Wagen verloren hätte. Ich sagte ihr, wo sie umdrehen und zurück zum Parkplatz für Heimbesucher gelangen könne. Dort wartete ich auf sie, begleitete sie nach innen, und wir sprachen eine Pflegerin an, sie zur Verwaltung zu bringen, um den Schaden aufzunehmen.

Wäre ich zum Zeitpunkt der Kollision dreißig Meter weiter vorne gewesen, ich hätte wohl keine Chance gehabt, ihr zu entgehen. Zwei gebrochene Beine wären wohl das Mindeste gewesen, was ich »davongetragen« hätte.

(Henning Sabo)
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