So Stille, so still

Heute ist wieder so ein Tag.
Einer, an dem ich bin wie eine dünne Membran um einen Tränen-Ozean.
Keine Tränen der Freude, keine der Schmerzen, Tränen aus Intensität.
Intensität, die einfach nur sein bedeutet, sein und sonst nichts.
Nicht sein als ein Etwas, nicht sein als etwas Bestimmtes, noch nicht einmal sein als ein Ich.
Nein, einfach nur sein. Sein in sich.
Das ist so intensiv, so überwältigend, so unfassbar fassungslos.
Ein Meer, das anzulanden kein Land mehr findet, für das es zu stranden keinen Strand mehr gibt.
Und ich bin nackt und bloß, nicht mehr als diese Membran, die schon keine mehr ist.
Alles fließt über, im ständigen Pulsen, doch ohne Gezeiten –
Und ich, in der Angst, ich könne zerfließen, bin längst schon entmündet, vollkommen versiegt.
Bin das, was ich war und ewiger bin:
Diese weiteste Weite, dieser nichtige Raum,
Und, durch nichts zu bemessen: so Stille, so still.

(Henning Sabo)

2 Gedanken zu “So Stille, so still

  1. Bernd Rosenmüller sagt:

    Es heißt: am Anfang war das Wort – dort ist es noch immer.- nur dort.

    • Henning Sabo sagt:

      Das Wort mag am Anfang sein und es mag auch am Ende stehen.
      Doch was ist vor dem Anfang, noch vor dem Beginnen, was ist nach dem Ende, noch nach dem Beschließen?
      Dieses Wort fasst kein Wort, zu diesem dort weist kein dort, denn dieser Ort ist ohne Ort:
      So Stille, so still.

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