Nik Bärtsch – »Ritual Groove Music«

Der Link zum Sonntag:

Heute zu einem weiteren interessanten Musiker-Komponisten aus der Schweiz, quasi zu einem nahen Verwandten von Don Li und seinem »Musik Labor«, zu dem es tatsächlich auch zahlreiche Bezüge gibt.

Die Rede ist von Nik Bärtsch, und im besonderen von seinem Projekt »Mobile«. Auf seiner Internetseite ist dazu vermerkt:

»Nik Bärtsch’s MOBILE entwickelt musikalische Gesamtkunstwerke in rituellen Zusammenhängen. Die Aufführung der Musik wird meist mit einer multimedialen Raumgestaltung verbunden. Die über drei Jahre (2000-2002) laufende BLUE-Trilogie vereinte in drei jeweils 36-Stunden dauernden Live-Konzerten Musik, Raum, Licht, Videos und Schwertkunst. Die Konzertzeremonie wird auf den jeweiligen Raum und Ort abgestimmt.

Die rein akustische Musik (ohne Overdubs, ohne Loops) steckt voller überraschender Wendungen und kühner Kombinationen: Ingredienzien aus Funk und neuer Klassik und Elemente ritueller japanischer Musik verbinden sich zu einem spannungsgeladenen Soundgebräu, das mal funky, mal ambientmässig relaxed, dann wieder formal zugespitzt immer neue Verbindungen eingeht.

Die Kompositionen lassen Freiräume für unterschiedliche Phrasierungsweisen, was auch aus der „vielstimmigen“ Besetzung der Band ersichtlich wird. Sie vereint Musikerpersönlichkeiten unterschiedlichster Prägung: Der Drummer Kaspar Rast tritt mächtig groovebildend in Jazz- und Funk-Kontexten und als Studiomusiker in Erscheinung. Der Altosaxophonist und Bassklarinettist Sha besticht durch rhythmische Raffinesse und abgeklärte Ruhe und hat sich als Newcomer der Neuen Minimal Szene bereits einen Namen gemacht. Der Perkussionist Nicolas Stocker (der MOBILE-Gründungsmitglied Matthias Eser 2013 ersetzte) gehört zur neuen Musikergeneration, die wie selbstverständlich klassisches Interpretenbewusstsein mit Groovefähigkeit und improvisatorischer Kompetenz verbindet. Nik Bärtsch, der Spiritus Rector von MOBILE, bewegt sich als Grenzgänger zwischen all diesen Codes und legt Verbindungslinien, die im Schaffen seiner Gruppe zu Zündschnüren mutieren.

In der Formation MOBILE EXTENDED wird die Gruppe zum Kammerensemble erweitert durch ein Streichquintett mit Etienne Abelin und Ola Sendecka (Violinen), David Schnee (Viola), Ambrosius Huber und Solme Hong (Celli).

MOBILE arbeitet immer wieder mit Gästen und Partnern zusammen, z.B. mit dem Architekten-Team von oos, mit dem Berliner Iaidomeister Martin Krahl, dem Butohtänzer Imre Thormann, dem Solocellisten Walter Grimmer oder der Tänzerin und Xala-Spielerin Ania Losinger.« (Michel Mettler)

Die weitere Beschreibung seiner Musik überlasse ich Nik Bärtsch selbst:

»RITUAL GROOVE MUSIC, der Titel meiner ersten eigenen CD, ist zugleich Programm meines musikalischen Denkens. Die Musik ist geprägt von der Liebe zum architektonisch gegliederten Raum, zu repetitiven und reduktiven Prinzipien und zur rhythmischen Verzahnung. Ein Stück kann wie ein Raum betreten, bewohnt werden. Durch obsessive Drehmomente, Überlagerungen verschiedener Metren und Mikrointerplay bewegt sich die Musik fort und verändert ihre Zustände. Die Aufmerksamkeit wird auf die minimen Variationen und Phrasierungen gelenkt. Die Band wird so zum Integralen Organismus – wie ein Tier, ein Biotop, ein urbaner Raum. Man soll mit Ohren und Händen denken.

Improvisation spielt bei aller kompositorischen Strenge und Bündelung eine wichtige Rolle in unserer Musik. Einerseits werden Akzente, Ghostnotes und Variationen zwischen den Musikern hin und her geschickt; andererseits hat oft eine Stimme innerhalb einer Komposition eine grössere Freiheit als die anderen. Sie kann so die ausgeschriebenen Verzahnungen modular beleben. So entstehen Groovebiotope oder auch entleerte musikalische Areale von roher Poesie.

Mein Denken und meine Musik entwickeln sich aus der Tradition des urbanen Raums. Sie sind aus dem universellen Klang der Städte destilliert, nicht aus einer nationalen oder Stil-Tradition. Die Stadt in ihrer rauschhaften Vielfalt fordert die Fähigkeit zu fokussieren – Beschränkung aufs Wesentliche: Dosiert agieren, am richtigen Ort nichts tun. Diese Musik schöpft ihre Energie aus der Spannung zwischen kompositorischer Strenge und improvisatorischer Selbstüberlistung. Aus selbstgewählter Einschränkung entsteht Freiheit. Ekstase durch Askese.« (Nik Bärtsch)

Von eben dieser ersten CD »Ritual Groove Music«, die er (Piano, Kompositionen und Arrangements) 2001 zusammen mit dem genannten Don Li (Alt-Saxophon, Bass-Klarinette) und der damaligen weiteren Formation von »Mobile« – Mats Eser (Marimba, Percussion), Kaspar Rast (Drums) – eingespielt hat, möchte ich hier zwei Stücke vorstellen:

Nik Bärtsch’s Mobile – »Modul 2«

Nik Bärtsch’s Mobile – »Modul 11«

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


2 × = 18

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.