Chop Suey

Neulich war ich – gar nicht weit – in einer Stadt, in der es ungewöhnlich viele Döner-Imbisse gab. Sie sahen alle sehr gleich und irgendwie schäbig aus, und im fahlen Licht hinter dem Tresen sah ich in jedem von ihnen eine immer gleich aussehende bleiche Chinesin stehen, die mir irgendwie nicht ganz gesund erschien. Obwohl ich sehr hungrig war, konnte ich mich nicht entschließen, einen davon aufzusuchen. Am Ende war ich froh, wieder zum Bahnhof zurück zu kehren, in einen Zug zu steigen und nach Hause zu fahren. Dort angekommen, ging ich sofort zu »meinem Türken«, der mir nun fast wie ein Ort der Verheißung erschien. Und er schien mich auch bereits erwartet zu haben, denn schon kurz nachdem ich sein »Wie immer?« mit einem kurzen Nicken bestätigte, schob er mir eine dampfende Portion Chop Suey herüber – mit Stäbchen, wie immer. Und sein schelmisches Lächeln war schon fast das eines Chinesen.

(Henning Sabo)

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