Zäuerli mit Becki (Schweiz)

Der Link zum Sonntag:

Heute führt uns die folkloristische Musikreise zu unserem Nachbarn, der Schweiz. Dort haben sich in manchen Bergregionen archaische Bräuche erhalten, die größtenteils mit Gesang begleitet werden. Dazu gehört natürlich auch der Almauftrieb (die Alpfahrt), bei der das Weidevieh alljährlich auf die Bergweiden gebracht wird, die sogenannten Almen.

Bei der Alpfahrt tragen die vordersten drei Tiere drei unterschiedlich große Glocken, die sich zu einem Dreiklang zusammenfügen, der beruhigend auf die Herde wirkt und diese führt. Diese Glocken bzw. Schellen (Schölle) werden auch als Begleitung des Naturjodlers bei rein musikalischen Zusammenkünften verwendet. Da die Schöllen recht schwer und mit heute bis zu 20.000 Euro auch sehr teuer sind, sind findige Sennen deshalb auf die Idee gekommen, statt der Glocken einfache Tonschüsseln zu nehmen, an deren abgeschrägten Wänden sie ein Fünffrankenstück entlang rollen ließen.

Die konischen Talerbecken wurden eigentlich als Milchgeschirre verwendet, die in der Sennhütte als Rahmauffänger dienten. Früher gab es sie in vielen verschiedenen Größen. Eine kleinere Schüssel passte immer in die nächstgrößere, sodass im größeren Geschirr alle anderen untergebracht werden konnten. Aus diesem Satz wurden drei Talerbecken zum »Gspil« (Spiel) ausgewählt, meist in den Größen aus je einem drei, vier und fünf Liter fassenden Geschirr. Die Talerbecken werden durch einen silbernen »Fünfliber« (Fünffrankenstück) in Schwingung gebracht. Dabei hält der Talerschwinger das Geschirr auf der ausgespreizten linken Hand und wirft das Geldstück mit der Rechten an die konische Innenwand. Dann versucht er, mit sparsamer Drehbewegung der linken Hand den Fünfliber auf dessen Kante an der Beckenwand gleichmäßig entlangrollen zu lassen. Dabei heißt es, stets die Ruhe zu bewahren, denn ist der Talerschwinger bei einem Auftritt nervös, landet das Geldstück schnell mal auf dem Beckenboden oder – was noch schlimmer ist – schießt gar über den Beckenrand hinaus.

Früher waren es ausschließlich die Sennen, die sich die Zeit mit dieser musikalischen Unterhaltung vertrieben haben. Heute lassen meistens drei Talerschwinger die Münzen als Bordun-Begleitung zum mehrstimmigen Naturjodel (dem bloßen Singen von Silben) rollen. Eine wirklich wunderbare Gesangstradition – ebenso beruhigend wie beglückend!

Zäuerli mit Becki (Jodlerclub Alpeblueme Herisau)

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