Wie von Hand gemacht

Des Bemerkens wert:

Zur Zeit wirbt ein Speiseeis-Hersteller auf großflächigen Plakaten mit dem Slogan: »Jetzt wie von Hand gemacht«.

Was sagt mir das? Nun, das »jetzt« deutet an, dass es »bis jetzt« offenbar nicht wie von Hand gemacht war. Was mich nicht wirklich wundert, handelt es sich doch schließlich um ein Industrie-Produkt. Woran sich ja auch – jetzt – nichts geändert hat, und auch das steht da, denn »wie von Hand gemacht« besagt ja nichts anderes, als dass es garantiert nicht von Hand gemacht ist.

Der Hersteller behauptet nur, dass es ihm jetzt gelungen ist, die Illusion – wodurch auch immer – zu erzeugen, als wäre es von Hand gemacht. Er lädt mich also ein, ihm eine Illusion abzukaufen. Aber warum soll ich ein Produkt zu mir nehmen, das mir nicht nur die Illusion verkaufen will, ein Lebensmittel zu sein, sondern dieser und wer weiß wie vielen anderen Illusionen nun auch noch eine weitere hinzuzufügen will? Wie täuschend echt sie auch sein mag, sie ist eine Täuschung, und wer weiß, durch welchen (chemischen) Trick sie hervorgerufen wird.

Werbung vermag durchaus die Wahrheit zu sprechen, ich muss sie nur richtig lesen. Zum Beispiel wenn da – auch auf Speiseeis zum Beispiel – steht: »mit Vanille-Geschmack« oder »mit Pistazien-Geschmack«. Im Prinzip ist es ja nett, wenn ein Esswaren-Produzent etwas mit Geschmack herstellt, aber wenn das dann so auf der Packung steht, dann darf ich mit ziemlicher Gewissheit davon ausgehen, dass dieser Geschmack von allem möglichen herrühren kann, nur nicht von dem Produkt, dessen Geschmack es erzeugt.

Denn wäre das tatsächlich da drin, dann stände da draußen zum Beispiel dran: »mit echter Bourbon-Vanille« oder »mit 5% Pistazien«. Ist auf dem Produkt aber vermerkt: »mit Vanille-Geschmack« oder »mit Pistazien-Geschmack«, dann wird mir damit eindeutig gesagt, dass im letzteren Pistazien allenfalls als Spuren-Elemente vorkommen und dass ich im ersteren Vanille gar und ganz vergebens suchen werde.

Ich werde also wohl gar nicht erst auf den Geschmack kommen und die Industrie auf ihrem »wie« sitzen lassen. Würde sie offenbaren, wie sie ihr »wie« erzeugt, würde es ihr wohl eh niemand abkaufen wollen.

(Henning Sabo)

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