Verkohlt

Des Bemerkens wert:

Die Sache als solche – obwohl wohl kein Mensch dabei zu Schaden gekommen ist – ist zwar alles andere als witzig, aber als ich heute beim »Überfliegen« einer Zeitung diese Überschrift las, war sie doch zu witzig, um nicht darüber zu lachen:

»Grillkohlefabrik abgebrannt«

In diesem Augenblick

Beinahe hätte ich ihn verpasst, diesen Augenblick, um dieses Gedicht hier einzustellen …


Wenn Du mich siehst
Sieh keinen Fremden
Sieh keinen Anderen
Sieh keinen Zweiten

Wenn Du mich siehst
Sieh ein Erscheinen
Des Gleichen vor Gleichen
Des Einen im Einen

Wenn Du mich siehst
Sieh und erkenne dich
Gespalten am ich
Gespiegelt durch mich

Wenn Du mich siehst
In diesem Augenblick
In deinem Augenblick
In meinem Augenblick

Bestehe aus Lieben
Und liebe dich
Zerfließe in Lieben
Und liebe mich

Denn Du siehst in diesem Lieben
Das liebt dich jetzt durch mich
Wie das Eine liebt im Einen
Nie einen Anderen als sich

(Henning Sabo)

Herbsten

Vor ein paar Tagen, es war erst wenig Schnee gefallen, doch es wehte ein kräftiger Wind, ging ich einen meiner gewohnten Wege, als ich plötzlich innehielt und stehen blieb – und lauschte, etwas aufmerksamer lauschte, weil ich nicht glauben konnte, was ich hörte. Es klang nach Herbst, nach Winter nicht, nein, zweifelsfrei nach Herbst. Ich schaute in die Richtung, aus der dies Lauten zu mir wehte. Drei kleine Eichenbäume standen da, ein jeder noch erfüllt von diesen blässlich braunen, krachend trockenen Blättern, die nie zu fallen schienen. Sie alle zitterten und flatterten in diesem heftig-herben Wind – und rauschten, rauschten wie ein ganzer Wald. Ich schloss die Augen und konnte mich gar nicht satt lauschen – hinein in dieses Rauschen, das wie ein wunderbarer Spätherbstabend klang und einen milden Streifen Wärme mir auf meine Augen legte, so, als stünde die Sonne gerade eben noch über der Horizontlinie. So blieb ich stille einige Momente und atmete dies Rauschen nur immer tiefer in mich ein.

(Henning Sabo)
Verrauschende Grüße,
Henning

Staunen … lächeln

Wieder einmal – sie mehren sich, diese Momente …
Diese Überwältigung, weil sie das Schönste sind, das Intensivste, Intimste – und gleichzeitig das Offenbarste, Unspektakulärste …
Dieser Anspruch, dieser Ansporn, dieses Nichtzufassende mit meinen Worten dir zu fassen – ein einzig Mal, denn das genügt … [zumindest aber doch im Scheitern noch begnadet und voll dieser Güte sein …]
Dieser Schmerz, der ihm immer noch nachschmeckt, ihn nicht wirklich teilen zu können, ihn nicht leichthin schenken zu können … [und dieses Sehnen und Ahnen, ihn einfach zu leben in diesen Augenblicken – mit dir …]
Staunende, lächelnde … und liebende Grüße,
Henning


Manchmal
Stehe ich einfach nur da
Und bin

Ohne Bedürfnis, etwas zu tun
Ohne Bemühen, etwas zu sein

Ist nur: dieser Nu
Ist: seiner Gewahrsein
Ein Staunen, ein Lächeln
Und die Freude daran
Und der Friede darin

Ohne Bemühen, etwas zu sein
Ohne Bedürfnis, etwas zu tun

Manchmal
Stehe ich einfach nur da
Und bin

(Henning Sabo)

Weißes Nichts

Heissa! [Müsste es jetzt nicht eigentlich »Kalta!« heißen?] Wie die Schneeflocken glitzern im Licht der Straßenlampen! Dieses luftige Nichts, das kaum zu existieren scheint. Und die Landschaft bindet unter eine weißes Kleid.

Filigrane und massive Grüße,
Henning


In der Luft
Die Flocken Schnees:
Kaum mehr als nichts …

Am Boden
Weiß auf weiß:
Was für ein Etwas!

(Henning Sabo)

Auf und an

Wann hören wir endlich auf
Die Anderen bloß als Kunden zu sehen?
Wann fangen wir endlich an
Sie als Menschen anzuerkennen?

Wann hören wir endlich auf
Uns etwas verkaufen zu wollen?
Wann fangen wir endlich an
Uns einfach zu geben?

(Henning Sabo)

Unaufhörliche Grüße,
Henning