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Heute waren zwei Frauen in der Straßenbahn, die die ganze Fahrt über versuchten, herauszufinden, woher sie sich kannten. Doch es ist ihnen nicht gelungen.

Heute waren zwei Frauen in der Straßenbahn
Die die ganze Fahrt über versuchten
Herauszufinden, woher sie sich kannten –
Doch es ist ihnen nicht gelungen

(Henning Sabo)

BIN allein

Wie verletzlich ist dies Leben
Wie süß ist dieses Sein
All dieses Existieren aufgegeben
Ist einzig bin allein

Wie verletzlich ist dies Leben
Wie süß ist dieses Sein

(Henning Sabo)

Verletzlichkeit, die mich berührt
Süße, die mich führt

Alleinige Grüße,
Henning

(Sich) entfernen – zu etwas Unberührtem werden

Des Bemerkens wert:

Heute erschien im Internet immer wieder eine Werbung für eine professionelle Retusche von Digital-Fotografien. Als Beispiel waren zwei Fotografien – vorher/nachher – einer jungen Frau nebeneinander gestellt. Auf dem Vorher-Foto hatte sie volle Wangen, ganz viele Sommersprossen und lebendige Augen. Auf dem Nachher-Foto war ihr Teint aufgehellt und keine Sommersprosse mehr übrig, ihre Backen hatten jetzt eine Taille und ihre Augen waren nur noch hochglänzend. Alle Schatten waren entfernt und das Foto schien nicht mehr wie aus dem Leben, sondern wie aus einer Bewerbungsmappe für ein Model-Casting gegriffen. Es war nur noch Fläche, ohne Tiefe.

WahrNehmung

Die Dinge bekommen ihr Sosein zurück
Das Leben seine Lebendigkeit
Und ganz sich selbst der Augenblick

Verändert aber
Hat sich nichts

Die Dinge bekommen ihr Sosein zurück
Das Leben seine Lebendigkeit
Und ganz sich selbst der Augenblick

(Henning Sabo)

WahrNehmung,
FriedensGebung,
StillLebung,
BeGrüßung,
HennIng

Kein Hand-Held

Des Bemerkens wert:

Heute um 9.30 Uhr hatte ich einen Termin auf einem Amt. Die für mich zuständige Sachbearbeiterin war krank, sodass ich eine Tür weiter zu ihrem Kollegen musste. Dieser war noch in einem Gespräch und so konnte ich erst gegen 9.50 Uhr hinein zu ihm. Er zeigte sich sehr an meinem Fall interessiert, ich erläuterte ihn detailliert und er suchte engagiert nach Lösungen für mich. Kurzum, es verging sehr viel Zeit und war ein langes Gespräch. Gegen 11.10 Uhr klopfte es an seiner Tür und er musste zweimal »Herein!« rufen, bevor sie langsam geöffnet wurde. Herein lugte ein Mann, den ich kannte und schon öfters hier gesehen hatte. Ein arbeitsloser Programmierer, der immer seinen Tablet-Computer mit sich führte und sobald er sich irgendwo setzen konnte, begann, darin irgendetwas im Internet zu recherchieren. Wie sich herausstellte, hatte er bereits seit 10 Uhr einen Termin hier und war auch seitdem im Gebäude und auf dem Flur. In der Annahme, dass dies akustisch gemeldet würde, hatte er gegen 10.30 Uhr eine E-Mail geschickt, um kund zu tun, dass er bereits seit einer halben Stunde draußen wartete. Mit der Hand an die Tür anzuklopfen und mündlich Bescheid zu geben, das vollbrachte er erst nach über eine Stunde.