Bo Diddley – live

Der Link zum Sonntag:

Der wesentliche Unterschied eines Live-Konzertes der klassischen Musik zu dem der Jazz- oder Rock-Musik besteht in der völlig anderen Grund-Intension. In der Aufführungspraxis der klassischen Musik geht es darum, ein Werk möglichst perfekt und werkgetreu in der eigenen Interpretation wiederzugeben. In den Live-Auftritten – sofern diese nicht selbst als durchkomponierte Live-Shows konzipiert sind und also ebenso ausgeführt werden (wollen und müssen) – der Rock- und speziell auch der Jazz-Musik hingegen geht es vor allem darum, dem Augenblick und der momentanen Befindlichkeit und Ausdrucksfreude der Musiker mehr Raum zu geben und so zuzulassen, dass das jeweilige Stück eine abgewandelte und zuweilen stark veränderte und variierte Form annimmt. Das äußert sich in der Blues- und Rock-Musik vor allem in ausgeprägten und ausgedehnten Soli, im Jazz zudem auch durch das facettenreiche und aufeinander reagierende, eben »miteinander spielende«, einander zu- und umspielende Zusammen-Spiel.

Als weitere Komponente solcher Live-Auftritte kommt vor allem bei Blues-Musikern auch die unmittelbare Kommunikation mit dem Publikum hinzu; in kleinen Clubs, in denen es oft nicht einmal eine eigentliche Bühne gibt, ja auch ganz natürlich, hier sind sich Musiker und Zuhörer ganz nah und in Rufweite. Blues-Musiker sind von jeher Geschichten-Erzähler, die ihre Geschichten sowohl verbal wie musikalisch erzählen. Einer der großen Blues-Musiker, der in seinen Live-Auftritten wunderbar mit dem Publikum, seinem Instrument und mit sich selbst zu spielen und zu kommunizieren wusste, war Bo Diddley (1928-2008), eigentlich (mit bürgerlichem Namen): Ellas McDaniel.

Diddley veröffentlichte 1955 mit seinem Stück »I’m a Man« einen Klassiker der Blues-, Rock’n’Roll- und Rock-Geschichte. Der spezifische Riff, den er darin und noch in vielen weiteren seiner Kompositionen verwendete, wurde nicht nur zu seinem Markenzeichen, sondern zu einem der legendären Themen der Rockmusik überhaupt. Es ist eben eines jener Themen, das sozusagen sofort ins Blut und ins Gemüt geht. Sehr schön zu hören und zu erleben in dieser 10-minütigen, wirklich tollen Live-Aufnahme (nur als Audio, dafür mit »abgedrucktem« Text):

Bo Diddley – »I’m a Man«

Alternativ dazu eine Audio-Aufnahme von 1959:

Bo Diddley – »I’m a Man« (live 1959)

Als Video eine Live-Aufnahme, in der förmlich zu spüren ist, welche kindliche Freude Diddley – natürlich mit der von ihm »erfundenen« und typischen rechteckigen Gitarre – daran hat, etwas scheinbar zufällig gerade Entdecktes und Skizziertes spontan aufzunehmen und weiter auszumalen:

Bo Diddley – live

Als Bonus noch ein Link auf eine ältere Live-Aufnahme von Bo Diddley, in der er wiederum zeigt, wie spontan, kreativ und im wahrsten Sinne »beweglich« er auf eine vorhandene Situation zu reagieren und mit ihr zu spielen weiß, hier zum Beispiel mit seinem Schatten:

Bo Diddley – (live 1978)

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