Exil-Dichter (für Ali)

Getrennt von den Bildern

Die die Heimat dir gab

Suchend ein Morgen

In nicht endender Fremde

Ein Weg, über Grenzpfähle

Und Brücken gesetzt

Tränen in Zeit eingefroren

Und die Uhr

Die schneller dich trennt

Und langsam, so quälend

Nur vorwärts gerinnt

Graue Himmel über grauen Mauern

Ein ungekanntes Gesicht

Und ein Mund, der anderes spricht

Schweigend die Trauer

Und auch im Mantel die Kälte

Die das Herz nicht verhüllt

Die Augen nicht schützt

Doch den Haaren

Treiben schon Blüten

Unter den Fingernägeln

Wächst eine Spur

Die den Horizont lüftet

Sich häuten jetzt

Und ein Schmerz bleibt zurück

Und das Nie-Wieder

Wie das Vergessen

Und die Narben stillt Hoffnung

Und ein ungefundenes Wort

Das du bist

(Henning Sabo)

Aussiedlerkrebs

Den Häusern zu weit, den Grenzen zu wund
Zu leicht dem Verfallen, zu unruhig dem Grund

Der Schlamm entdeckt den Himmel nicht
Den müden Augen sehnt nach Licht
Verlassen auch die letzten Schalen
Der Krebs steigt auf nun unter Qualen
Er dreht in Kreisen höher sich
Schwimmt frei und wird zum Fisch

Die Zangen üben, Flügeln gleich
Zu fliegen schon, sind, federnd, weich

(Henning Sabo)

Sehnsuchtsmelancholie (für Uwe)

An Brücken zu lehnen, der Rauch aus dem Mund
Die Sterne entblößen, und die Nacht ist ein Schlund

In Kneipen zu sitzen, ein flüchtiger Blick
Dem Schoß eine Flasche, und die Uhr im Genick

In Wassern zu liegen, ein Schrei in den Wind

Getrennt sich erfühlen, und ertränken das Kind

Dem Tanze zu springen, verlöschen das Licht
Den Atem ausstoßen – und die Spur, die verwischt …

(Henning Sabo)

Doch ohne dich, da bin ich still
Nur meine Sehnsucht, die wird laut
Weil sie nur eines: zu dir will

Und bin ich dann bei dir
Und rede, viel zu viel
Sie wird doch leiser nicht in mir

Dann sag ich, was ich gar nicht sagen will
Bin ruhelos und werde laut
Und nur mein Herz wird traurig still

Und gehst du wieder, fern von mir
Bin ich der Liebe viel zu viel
Und alles in mir: schreit nach dir

(Henning Sabo)
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