Entheben

So fesselt nichts mich mehr dem Leben,
Doch umso tiefer falle ich dem Sein;
Ich mag an alles mich vergeben
Und mich verliebt verbünden jedem Schein.

Zu nichts mehr hin geht all mein Streben,
Gleich gilt mir Lust wie Leid und Glück wie Pein;
Ob Auf, ob Ab, da ist nur noch Entheben,
Es taucht in sich ein Einzig und Allein.

Hier scheint’s Verwesen, dort Verweben,
Kein Mein ist und kein Dein, kein Ja, kein Nein;
Der nennt es Stürzen wohl und dieser Schweben,
Es ist nicht arg noch rein, nicht groß noch klein.

So stürmt und strauchelt alles Beben
Und lässt nicht Bein an Bein, nicht Stein auf Stein;
Was bleibt, ist diese Stille eben,
Und darin nichts als selig sein.

(Henning Sabo)

Schau des Glaubens

Das Glauben
Muss sich immer wieder neu behaupten
Und in allem bestätigt finden;
Nur so kann es die Realität,
Die es für sich beansprucht,
Auch aufrecht erhalten.

Der Wahrheit Wissen
Ruht still in sich selbst;
Es erkennt sich in allem,
Indem es durch alles schaut
Und ein jedes durchschaut –
Auch das Glauben.

(Henning Sabo)
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