Un-Erhörtes

Die ersten beiden kamen mir heute morgen beim Staubsaugen. Dann habe ich Spaß daran gefunden, mich ein bisschen darin zu üben.

Ein Unkraut, das ins Kraut schießt.

Ein Wesen, das sein Unwesen treibt.

Ein Vermögen, das durch Unvermögen erwirtschaftet wird.

Ein Unglaube, der erst durch Glauben glaubhaft wird.

Ein Unhold, der einer Holden hold ist. [Also ihm oder ihr]

Eine Aufmerksamkeit, die unaufmerksam gegenüber dem Augenblick ist.

Unwägbares, das abgewogen wird.

Gelegenheiten, die gerade ungelegen kommen.

Ungehorsam, der einer Hörigkeit gehorcht.

Unerhörtes, das allen zu Ohren gekommen ist.

Unglaubhaftes, das als Glaube haften bleibt.

Unwirksames, das ein Umdenken bewirkt.

(Henning Sabo)

Genau da

Das Absolute und das Relative

Solange Du noch da hin willst
Bist Du nicht da

Doch so lange Du noch glaubst
Du könntest irgendwo anders sein
Als eben genau da
Hast Du noch nicht begriffen
Was es heißt
Genau da zu sein

Und also:
Solange Du noch da hin willst
Bist Du nicht da

(Henning Sabo)

Spiegel im Spiegel

Sei ein Spiegel!

Ein Spiegel zeigt, was ist.
Er beschönigt nicht, er verhässlicht nicht.
Er wirft keinen Schatten, er verleiht kein Gewicht.
Er zeigt, was ist.
Er zieht nichts vor, er lehnt nichts ab.
Er fügt nichts hinzu, er lässt nichts weg.
Er zeigt, was ist.
Er hat keine Meinung, er belehrt nicht, was er sieht.
Er mischt sich nicht ein, er spielt keinen Gott.
Er zeigt, was ist.
Er hält nichts fest, er speichert nichts.
Nichts, das er vergleicht, nichts, das er in Beziehung setzt.
Er zeigt, was ist.
Er bewertet nicht, er verurteilt nicht.
Er bewertet nicht, er verurteilt nicht.
Er zeigt, was ist.

Sei ein Spiegel!
Sei bedingungslos frisch!
Augenblicklich und echt!

Sei ein Spiegel!
Er beugt sich der Wahrheit, er neigt sich dem ist.
Unumstößlich, selbstverständlich, unbestechlich und fest.
Ein Spiegel vertraut. Ein Spiegel gibt.
Ein Spiegel leuchtet. Ein Spiegel liebt.

Sei ein Spiegel!
Zeige, was ist!

(Henning Sabo)

Und was würde dazu besser passen als das gleichnamige Stück von Arvo Pärt:

Arvo Pärt – »Spiegel im Spiegel«

Ab:Urteil!

Jetzt ist der Augenblick:
Ich bewerte nicht, was ich war.
Ich bewerte nicht, was ich werde.
Ich bewerte nicht, was ich bin.

Jetzt ist der Augenblick:
Ich vergebe mir, was ich war.
Ich vergebe mir, was ich werde.
Ich vergebe mir, was ich bin.

Jetzt ist der Augenblick:
Ich liebe, was ich war.
Ich liebe, was ich werde.
Ich liebe, was ich bin.

(Henning Sabo)
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