Finde dich vor

Willst du es sehen
Kannst du es nicht mehr übersehen
Willst du dahin
Dann kommst du nicht umhin

Willst du ihm dienen
So wird es dir dienen
Bist du seiner gewahr
So ist es dir wahr

Im Kommen und Gehen
Bleibst stetig du hier
Was immer dein Suchen:
Es findet dich vor

(Henning Sabo)

»Katzenjammer« in der Kulturkirche

Der Link zum Sonntag:

Der letzte »Link zum Sonntag« dieses Jahres nimmt noch einmal ein paar der bisher hier gesponnenen Fäden auf, und zwar die der Frauenstimmen, speziell die der skandinavischen und insbesondere die der norwegischen Frauenstimmen. Heute gleich vier davon, vier junge Frauen aus Oslo, alle Anfang 30, eine schöner als die andere, eine stimmgewaltiger als die andere, und jede kann jedes der zahlreichen Instrumente spielen, die da auf der Bühne herumliegen oder -stehen; eine Eigenheit, von der sie ausgiebig Gebrauch machen und immer wieder ihre Instrumente wechseln.

Im einzelnen sind das Anne Marit Bergheim (spielt meistens Akkordeon oder Saiteninstrumente), Marianne Sveen (meistens am Keyboard), Solveig Heilo (meistens am Schlagzeug) und Turid Jørgensen (meistens an der Bass-Balalaika). Als Ganzes sind es »Katzenjammer«, benannt nach den »Katzenjammer Kids«, einem der ältesten Comicstrips, der zuerst 1897 im »New York Journal« erschien und von dem aus Deutschland stammenden Rudolph Dirks stammt.

Die Musik, die Katzenjammer machen, ist kaum irgendwo einzuordnen, es ist eine Art multikultureller Folk-Rock’n’Roll, der unterschiedlichste Einflüsse verarbeitet und integriert. Das Besondere an Katzejammer aber ist ihre unbändige Spielfreude, die sich vom ersten Moment an auf die Zuhörer überträgt und sie zweifelsohne zu einer der besten Live-Bands macht. Deshalb ist der heutige Link natürlich der zu einer Live-Aufnahme, und es ist nicht zufällig, dass ich diese heute hier vorstelle, denn die gute Laune, die Katzenjammer ganz unmittelbar verbreiten, scheint mir auch für eine Silvester-Party hervorragend geeignet. Also das Ganze auf einen großen Bildschirm bringen und die Lautstärke hochfahren!

»Katzenjammer« in der Kulturkirche, Köln 2010

Mir gefallen aber auch gerade ihre stilleren Stücke, in der sich die Intensität ihres Spiels ebenso, aber eben auf andere Weise entfaltet, in dieser Aufnahme z.B. die vier aufeinanderfolgenden Stücke »Mother Superior / Virginia Clemm / Wading In Deeper / Lady Marlene«.

Bezieher meiner wöchentlichen »Poesie-Post« werden sich vielleicht erinnern, dass ich sie vor zwei Jahren schon einmal auf dieses Rockpalast-Video von Katzenjammer hingewiesen habe. Zwar gibt es von Katzenjammer inzwischen auch einige jüngere Aufnahmen im Netz, aber diese hier finde ich noch immer mit Abstand die beste. Hier stimmt einfach alles, und obwohl auch die anderen Konzerte nicht schlecht sind, scheinen Intensität und Intimität, Perfektion und Leichtigkeit, Energie und Spielfreude nirgendwo sonst so vollkommen zu einem runden Ganzen zusammenzufinden wie hier. Vielleicht liegt es daran, dass das Konzert in der »Kulturkirche« aufgenommen wurde, die tatsächlich auch noch als Kirche (und »Kirchenraum«) genutzt wird.

Hier noch der Link zur Internetseite von »Katzenjammer«.

In keinem einzigen Moment

Ich kehre heim in den Moment
In dem mir alles ist
Weil nichts mir je gehört

Ich kehre heim in den Moment
Der einfach ist
Weil nichts mehr geht und nichts mehr kommt

Ich kehre heim in den Moment
Aus dem ich nie vertrieben
Der allezeiten ist und bleibt

Ich kehre heim in den Moment
In dem Geschichten sich erlösen
In keinem einzigen Moment

(Henning Sabo)

Stille Nacht

Eine etwas andere »Weihnachtsgeschichte«, die ich bereits vor 31 Jahren – am 9. Dezember 1982 – geschrieben habe. Sie mag wohl ein bisschen »böse« erscheinen, gibt aber gewiss den Seelenzustand vieler (nicht nur junger) Menschen (nicht nur zur Weihnachtszeit) wieder. Sie ist insofern also immer noch (und immer wieder) aktuell.

Der Duft frischer Plätzchen würzt noch die Luft,
Im Zimmer brennen die Kerzen.
Die Eltern stehen im besten Kleide,
In den Augen ein Leuchten,
Ein warmes Gefühl in der Brust.
Noch raschelt das Geschenkpapier.
Es läutet der Vater die Glocke,
Die Mutter zur Bescherung ruft:
Ihr Kind hat sich im Baume erhängt –
Es hat sich zur Weihnacht den Tod gewünscht.

(Henning Sabo)

Kein Anderer, nichts anderes

Wer tritt in allem mir entgegen?
Wem löse ich mich endlich ein?
Wem bin ich allzeit ausgesetzt?

Bleibt eines über – ganz allein?
Worin besteht mein wahres Wesen?
Womit vereint bin ich zuletzt?

Da ist nicht ich, da ist nicht Du;
Kein Gott ist und kein Größeres.
Was einzig ist: dass einzig ist.
Kein Anderer, nichts anderes.

(Henning Sabo)

Fange einfach an

Ich habe keine Vorstellung
Wie ich es realisieren soll –
Ich muss es tun

Ich wüsste nicht
Dass es funktionieren kann –
Ich fange einfach an

Hier brennt die Verzweiflung
Dort leuchtet Vision –
Dies treibt mich an, da zieht es mich hin

Nichts Erfahrenes
Wird mich bestätigen –
Allein der Augenblick schafft Tradition

Ich wüsste nicht
Dass es funktionieren kann –
Ich fange einfach an

(Henning Sabo)

Uakti Konzert live

Der Link zum Sonntag:

Letzte Woche habe ich an dieser Stelle Werke des Komponisten Philip Glass in Transkriptionen für Schlagwerke vorgestellt. Heute möchte ich zum einen das Werk vorstellen, das Philip Glass selbst explizit für (im Wesentlichen) verschiedene Schlagwerke komponiert hat: »Aguas da Amazonia«.

Die Aufführung dieser Komposition hat Glass der brasilianischen Gruppe »Uakti« anvertraut, die er über Paul Simon kennengelernt und für seine Plattenfirma »Point Music« unter Vertrag genommen hatte. Marco Antônio Guimarães, gewissermaßen der Spiritus Rector oder Mastermind von Uakti, hat die Komposition für das spezifische Instrumentarium von Uakti arrangiert, das in der Mehrzahl aus von ihm selbst entwickelten und gebauten Instrumenten und elektronischen Orgeln besteht.

Neben denen von Philip Glass spielen Uakti auch Kompositionen anderer moderner, speziell brasilianischer Komponisten, vor allem aber auch von Marco Antônio Guimarães selbst. Einen guten Eindruck von der Musik von Uakti und von den verwendeten Instrumenten bekommt man auf der offiziellen Internetseite von Uakti.

Hier eine sehr schöne Konzert-Aufnahme der Gruppe aus dem Jahr 2011, aus der brasilianischen Botschaft in Rom. Das eigentliche Konzert beginnt ab 5.15, und die beiden ersten Stücke (bis etwa 18.45) stammen aus »Aguas da Amazonia« von Glass. Ich wünsche viel Freude mit diesem Konzert:

Uakti – Live, Rom 2011

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