Wiederaufnahme

So suchte ich nach langer Zeit
Noch einmal auf, wovon befreit
Ich mich dereinst, doch es bereut
Und nachgetrauert ihm bis heut’.

Ich schaute es als ein Bekanntes
Und doch auch als ein seltsam Fremdes,
Das mich erreichte, aber nicht berührte,
Das mich erinnerte, doch nicht verführte.

Ich nahm es still und sehr gelassen wahr,
Es war nurmehr, wie alles andre war;
Und als ich ging, wie aus der Zeit,
War ich ein Lächeln und bereit.

(Henning Sabo)

Giovanni Albini – »Testamento Spirituale«

Der Link zum Sonntag:

Giovanni Albini ist ein recht unbekannter moderner (geboren 1982) Komponist und Musiktheoretiker mit einer Vorliebe für mathematische Ästhetik, nicht-lineare Kompositions-Systeme, algorithmische Musik und Soundtracks für interaktive Medien.

Das mag schlimmer klingen als es ist, einige seiner Werke lassen sich gut hören, nicht aber unbedingt »nebenbei«, man sollte schon recht entspannt sein und sich wirklich auf sie einlassen wollen.

Ich habe die Komposition »Testamento Spirituale« aus dem Jahr 2013 ausgewählt, ein etwa 14 Minuten langes Quartett für Windinstrumente (Flöte, Oboe, Klarinette und Bassetthorn), gespielt wird es hier vom »15.19ensemble«.

Giovanni Albini – »Testamento Spirituale«

Ebender

Die Zeit will nicht vergehen,
Sie bleibt – und also stehen;
Es wandelt nichts mehr hin noch her,
Fällt alles ab, und doch nicht schwer.

Bleibt keine Welt – und nichts bestehen,
Es ist ihr Werden ihr Vergehen.
Der Augenblick kennt kein Woher,
Er fragt nicht: Was? Und auch nicht: Wer?

Du siehst es ein – und kannst es doch nicht sehen;
Es ist so viel, und ist doch nichts geschehen.
Ist einfach: so, und auch: so sehr;
Und der Moment ist ebender.

(Henning Sabo)
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