Heimlicht

Ich lasse geschehen,
Dass nichts geschieht;
Ich greife nicht ein
Und werte es nicht.

Ich kann es jetzt sehen,
Das, was mich sieht;
Nichts ist je mein,
Nichts trägt mein Gesicht.

Ich muss es nicht drehen,
Da ist niemand, der flieht;
Ich lasse es sein,
Und es hat kein Gewicht.

Es bleibt nichts bestehen,
Zum Grunde es zieht;
Im tieferen Sein
Zeugt Licht sich mit Licht.

(Henning Sabo)

Nina Simone – »Black Is The Color Of My True Love’s Hair«

Der Link zum Sonntag:

Nina Simone (1933-2003) kannte ich bisher nur vom Namen, durch ihre Interpretation von »My Baby Just Cares For Me« und von einer ihrer Kompilations-CDs, die ich einmal bei einem Freund gehört habe und die wohl keinen weiteren Eindruck auf mich machte.

Letzte Woche sah und hörte ich bei einer Freundin eine alte Live-Aufnahme – eben die, die ich hier vorstelle – von Nina Simone, die mich dazu anregte, mich in den folgenden Tagen etwas eingehender mit ihrer Person und ihrer Musik zu beschäftigen und mich durch diverse Aufnahmen und CDs zu hören. Woraufhin ich schon mal eine erste CD-Empfehlung abgeben könnte: »Nina Simone – Wild Is The Wind« (aufgenommen 1964/1965).

Nicht unbedingt eine begnadete Stimme, aber eine begnadete Sängerin, deren Stimme in ihren besten Momenten Emotionen vollkommen ungefiltert und mit immenser Intensität wiedergibt, sodass sie den Zuhörer ganz unmittelbar berühren und erfassen. Zudem war Nina Simone eine ausgezeichnete Pianistin, mit einer ausgeprägten Fähigkeit zum intuitiven Zusammenspiel mit ihren Mit-Musikern.

Ihre Live-Aufnahmen können auch heute noch eine Ahnung ihrer außerordentlichen (Bühnen-)Präsenz vermitteln. Zu hören auch in dieser Aufnahme von »Black Is The Color Of My True Love’s Hair«, einem wahrscheinlich von Schottland nach den USA ausgewanderten traditionellem Folk-Song. Bemerkenswert hier nicht nur ihr gebrochener und authentischer Gesang, sondern auch die wunderbare Interaktion mit dem Gitarristen Emil Latimer – dessen Stimmfarbe zudem so nah an der ihren ist, dass man kaum bemerkt, dass er den zweiten Teil des Liedes singt.

Nina Simone – »Black Is The Color Of My True Love’s Hair« (live)

Richtung

Ich wünscht’, ich könnte schreien,
Dann schriee ich die Welt zusammen,
Dass sie sich einte auf sich selbst
Und nicht mehr krönte, was sie quält.

Ich wünscht’, ich könnte schreien
Und mir den Menschen nicht verzeihen,
Dann riefe ich mir Brand und Flut
Zu Hilfe und zum Schluss – und säh’, es wäre gut!

Ich wünscht’, ich könnte schreien,
Und machte so den Menschen wachen, sehen,
Dass er sich nicht mehr schlafen legt
In all das Grauen, das er, unbewegt, bewegt.

Ich wünscht’, ich könnte schreien
Und ließe alle Menschen sich erkennen,
Dass sie in Liebe sich erschauen,
Statt in das Unglück sich verrennen.

Ich wünscht’, ich könnte schreien
Und meinen Un-Mut damit stillen,
Und Macht und Macher überzeugen,
Dass unsre Hand dem Herz zu Willen.

Ich wünscht’, ich könnte schreien
Und dann darinnen ruhig ruhen,
Weil ich ja wüsste, die es hören,
Die können’s richten – und sie werden’s tuen!

Ich wünscht’, ich könnte schreien.

(Henning Sabo)

Abgründe

Abgründe I

Die Vielen, die es nicht wagen,
Es nur deshalb nicht wagen,
Weil es nur Wenige wagen.

(Henning Sabo)

Abgründe II

Die Vielen, die es nicht wagen,
Es deshalb nicht wagen,
Weil es nicht viele wagen.

(Henning Sabo)

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