Michael Gordon – »Timber«

Der Link zum Sonntag:

Den 1956 geborenen amerikanischen Komponisten Michael Gordon habe ich hier schon einmal mit zahlreichen seiner Kompositionen vorgestellt, auch mit einem 15-minütigen Ausschnitt aus seinem Stück »Timber«, ein englischer Begriff, der im wesentlichen für Nutzholz, Bauholz oder Holzbalken benutzt wird. Ein durchaus angemessener Titel, denn in »Timber« werden tatsächlich und ausschließlich sechs einfache mit jeweils zwei Schlägeln geschlagene Holzbohlen verwendet, die optisch durchaus aus einem Baumarkt stammen könnten. Doch es handelt sich um »echte« Musikinstrumente, um sogenannte Simantras, ohne inneren Resonanzraum, dafür aber mit einem ungemein reichen Obertonspektrum, was bei gleichzeitiger Verwendung mehrerer Simantras natürlich um so mehr »zum Tragen« kommt.

Dabei ist Michael Gordons Komposition ebenso minimalistisch wie das verwendete Instrument, längst nicht so komplex wie z.B. Steve Reichs »Drumming« oder selbst dessen »Music For Peaces Of Wood«, sondern von fast provokanter Reduziertheit und Unaufgeregtheit, sie erscheint fast spannungs- und ereignislos.

Und genau dadurch bringt sie einem eine völlig neue Klangwelt näher oder bzw. zieht sie einen in eine solche hinein. Oder, vielleicht noch treffender, holt sie durch die Klänge, die sie anspielt, aus einem selbst eine völlig neue oder noch unerhörte Klangwelt heraus. Zumindest dann, wenn man sich auf dieses »Anspielen« vollkommen einlässt und Ohren und Herz nicht mit einer (bestimmten) Vorstellung von Musik einengt. Dann scheint Michael Gordons Stück bei jedem Hören eine noch tiefere Schicht anzuschlagen und ein noch spannenderes Klangspektrum erklingen zu lassen.

Heute verlinke ich zum einen auf eine etwa 30-minütige Live-Aufnahme von »Timber«, die die Teile III, IV und V der fünfteiligen Komposition wiedergibt und dabei in etwa auch drei Fünftel der Gesamtzeit von etwas über 50 Minuten einnimmt. Die Aufnahme wurde 2014 an der Princeton University mitgeschnitten.

Michael Gordon – »Timber« (III,IV,V) live

Zum Vergleich und um auch in den Genuss einer Live-Aufnahme des kompletten Stücks zu kommen, hier eine Aufnahme des türkischen Ensembles »Sanena Percussion« aus dem »Borusan Music House« in Istanbul vom 16. Dezember 2015 – na, das passt ja (fast) ganz genau:

Michael Gordon – »Timber« (I,II,III,IV,V) live

Zum Schluss noch einen kleinen Ausschnitt aus einer Probe des Stücks durch das »Slagwerk Den Haag«, das sehr schön die Struktur der Komposition wie auch die verwendeten Instrumente erkennen lässt:

Michael Gordon – »Timber« live (kurzer Proben-Ausschnitt)

Bévinda – »Pessoa em Pessoas«

Der Link zum Sonntag:

Heute möchte ich das Album »Pessoa em Pessoas« der 1961 in Portugal geborenen, aber in Frankreich aufgewachsenen und lebenden Sängerin Bévinda (Bévinda Ferreire) vorstellen. Ihr drittes, 1997 erschienenes Album, in dem sie, musikalisch auf der Basis des Fado, aber in ganz eigener, sehr reduzierter Auslegung, Gedichte des portugiesischen Dichters Fernando Pessoa interpretiert.

Später haben wohl auch andere musikalische Einflüsse, z.B. aus Nepal und Afrika, den Weg in ihre Musik gefunden, und schließlich hat sie auch französische Chansons aufgenommen. Im Internet habe ich nicht viel über sie finden können, ihre eigene Internetseite scheint nicht mehr zu existieren, Auftritte und CD-Veröffentlichungen liegen auch schon länger zurück.

Bévinda – »A Janela«

Não basta abrir a janela
Para ver os campos e o rio.
Não é bastante não ser cego
Para ver as árvores e as flores.
É preciso também não ter filosofia nenhuma.
Com filosofia não há árvores: há ideias apenas.
Há só uma janela fechada, e todo o mundo lá fora;
E um sonho do que se poderia ver se a janela se abrisse,
Que nunca é o que se vê quando se abre a janela.
(Fernando Pessoa)

Bévinda – »Olà, guardador de rebanhos«

»Olá, guardador de rebanhos,
Aí à beira da estrada,
Que te diz o vento que passa?«

»Que é, vento, e que passa,
E que já passou antes,
E que passará depois.
E a ti o que te diz?«

»Muita cousa mais do que isso.
Fala-me de muitas outras cousas.
De memórias e de saudades
E de cousas que nunca foram.«

»Nunca ouviste passar o vento.
O vento só fala do vento.
O que lhe ouviste foi mentira,
E a mentira está em ti.«
(Fernando Pessoa)

Bévinda – »Leve, Leve«

Leve, leve, muito leve,

Um vento muito leve passa,
E vai-se, sempre muito leve.

E eu não sei o que penso
Nem procuro sabê-lo.
(Fernando Pessoa)

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